Im Jahr 1993 hat Joey Kelly das Segelschiff, das einmal die Santa Barbara Anna werden sollte, für 30.000 £ gekauft. Es hieß damals noch Vanessa Ann und war in einem bedauerlichen Zustand. Äußerlich verrostet und innen quasi leer - keine Maschine, keine Inneneinrichtung. Das Schiff war mehrere Jahre vor dem Verkauf aufgelegt gewesen. Es befand sich auf einem Schiffsfriedhof und war zur Verschrottung vorgesehen. Der neue Eigner brauchte also einen langen Atem und eine Menge Geld, um das Schiff wenigstens in einen nutzbaren Zustand zu bringen.

Der schrittweise Ausbau erfolgte dann über mehrere Jahre in Amsterdam, Rostock und Gent. Als eine der ersten Aktivitäten erhielt die Santa Barbara Anna jedoch ihren heutigen Namen - in Erinnerung an Mutter Barbara-Ann Kelly.

So sah das Schiff aus, als Joey es gekauft hat.

 

Erste Maßnahmen

Mit Hilfe von Freunden wurde in Amsterdam ein gebrauchter Schiffsmotor aufgetrieben und eingebaut. Nachdem das Schiff einen ersten neuen Anstrich erhalten hatte, wirkte es äußerlich schon wieder recht ansehnlich. Innen war es allerdings immer noch so gut wie leer. Kein Tisch, kein Stuhl, keine Schlafgelegenheit. Die Ruderanlage wurde überarbeitet und die grundlegende elektrische Ausstattung wurde instand gesetzt. Danach wurde das Schiff über Kiel nach Rostock überführt. In Warnemünde wurde das Schiff in die Hände des Skippers Jens Schultz übergeben, dessen Aufgabe der weitere Ausbau war. Die nächsten Schritte waren die Installation eines Trinkwassersystems mit Wasserleitungen, einer Hauswasseranlage aus dem Baumarkt und die Wiederherstellung eines der früheren Trinkwassertanks. Bis dahin wurde die Bord-Energieversorgung durch eine alte "Lister Petter" Hilfsmaschine mit Generator sichergestellt. Dieser Motor muss mit einer Kurbel gestartet werden und ist als Reserveaggregat immer noch an Bord. In Rostock wurde dann ein ehemaliger NVA-Generator ins Schiff eingebaut, den Joey in Barth, beim Ausverkauf der alten Bestände, preisgünstig erworben hatte.

Um mit dem Schiff überhaupt fahren zu können, waren weitere umfassende technische Umbauten notwendig. Die heute noch aktive Caterpillar Maschine wurde in Gent installiert. Auch der Iveco Dieselgenerator stammt aus dieser Zeit und ist heute noch im Einsatz. Diese Änderungen erforderten umfangreiche elektrische Installationen. Im Großen und Ganzen erhielt der Maschinenraum schon damals seine heutige Gestalt. In Bremerhaven wurde der Maschinenraum mit einer dicken Lage aus Mineralwolle gedämmt.

Das Schiff wird bewohnbar

Da es in den Niederlanden und Belgien weitaus bessere Bedingungen für die kostengünstige Renovierung von Segelschiffen gab, wurde die Santa Barbara Anna wieder nach Amsterdam und später nach Gent verlegt. Die inneren Schiffswände wurden isoliert und mit Holz verkleidet und eine Zentralheizung eingebaut. In den ehemaligen Fischlasten entstanden Kojen für Mannschaften und Gäste. Das Schiff wurde mit modernen nautischen Geräten und Funkkommunikationsanlagen ausgerüstet. Das Rigg wurde komplett überarbeitet und mit neuen Segeln ausgestattet.

Im heutigen Kabelgatt entstand die Unterkunft für den Skipper, während die jetzige Skipperkammer von Joey als Kajüte genutzt wurde. Joey hatte viel Fantasie und große Pläne für den Ausbau des Schiffs. Das heutige Aussehen von großer Messe und Mannschaftslogis geht zu weiten Teilen auf seine Ideen zurück. Als besonderen Blickfangorganisierte er einen eisernen Ofen, der mitten in der großen Messe für gemütliche Wärme sorgte. Der wurde Jahre später wieder abgebaut - heutigen Brandschutzanforderungen würde er auch nicht mehr genügen.

Äußerliche Arbeiten

Auch äußerlich musste viel aufgearbeitet werden. Das Schanzkleid wurde instandgesetzt und teilweise großzügig erneuert. Dazu wurden große, verschlissene Stahlplatten heraus geschnitten und durch neue ersetzt. Für die Behandlung des Unterwasserschiffs wurde das Schiff eingedockt. Das ehemals rohe Stahldeck wurde 1997/98 mit den heute noch vorhandenen Teak-Planken belegt. Die stammen übrigens aus aussortierten Kirchenbänken, die Joey aufgetrieben hatte. Die Kelly Family hatte die Santa Barbara Anna jedoch nicht nur zur handwerklichen Beschäftigung erworben, sondern um darauf zu reisen. Die Familie unternahm mehrere Fahrten in die Ost- und Nordsee, den Ärmelkanal, nach Frankreich, zu den Kanalinseln und nach Cork in Irland.

Dan Kelly, das Oberhaupt der Familie, kam in Saint Helier (Jersey) zum ersten Mal an Bord - und war begeistert. Bis dahin konnte er den Fortgang der Restaurierungsarbeiten nur anhand von Bildern verfolgen. Er hatte Tränen des Glücks in den Augen, als er das erste Mal von der Pier auf die frisch geschliffenen Decks und die Takelage mit dem weißen Segel blickte.

Ende der Nutzung durch Kelly

Skipper Schultz hat über vier Jahre den Ausbau und die Renovierung der Santa Barbara Anna begleitet. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde das Schiff für eine längere Zeit nach Irland verlegt und von Thomas O'Sullivan als Skipper übernommen. Jens Schultz organisierte ab dem Zeitpunkt die Renovierung des Wohn-Schiffes der Kelly Family, der „Sean O’Kelley“ in Köln.

Teilweise diente das Segelschiff der Familie nur als schwimmende Unterkunft zwischen Konzerten. Entgegen den ursprünglichen Plänen unternahm Joey Kelly allerdings nur relativ wenige Fahrten mit der Familie. Bei bis zu 250 Auftritten im Jahr war wenig Zeit für dieses Hobby. Deswegen wurde das Segelschiff aus Irland zurück nach Warnemünde verlegt. Es wurde 2002 in Rostock registriert und dem Verein Odin 1 zur Nutzung übergeben. Und damit begann ein ganz neues Kapitel in der Geschichte der Santa Barbara Anna - das bis heute andauert...


Vielen Dank an den ehemaligen Skipper Jens Schultz, dass er seine Erinnerungen mit uns teilte und uns seine Fotos zur Verfügung stellte - und so diesen Text erst ermöglichte!

 
f t g