Die Saisoneröffnung haben wir dieses Jahr erstmals in dieser intensiven Form für Trainingsfahrten genutzt. Fünf Tage an zwei Wochenenden waren gefüllt mit Übungen, Vorträgen und natürlich auch viel Spaß. Im Folgenden lassen wir das straffe Programm noch einmal Revue passieren.

Samstag, 30.April

Die Sonne schien volle Breitseite, es war denoch etwas frisch. Vor allem aber hatten wir wenig Wind. Eigentlich überhaupt nicht optimal zum Segeln, aber in diesem Fall gut zum Erlernen der Segelbedienung.

Das war unser erster Törn in diesem Jahr. Nach dem Winter wurden die Segel wieder angenäht und laufendes Gut aufgetakelt (wir berichteten). Eine wichtige Aufgabe war daher das Prüfen der korrekten Leinenführung und Takelung. Und wie es immer so ist: Kleinigkeiten mussten tatsächlich korrigiert werden.

Der Skipper machte mit der Crew einen Schiffsrundgang: Der galt der Wiederholung der Positionen der Rettungsmittel und Erläuterungen zum Herstellen des Verschlusszustands. Ganz wichtig bei schwerer See oder Feuer im Schiff.

Dann endlich Zeit für Segelmanöver! Wir haben die Gaffel- und Vorsegel gesetzt. Wende und die eher selten gefahrene Halse wurden geübt. Abschließend fand eine Mann-über-Bord-Übung statt - natürlich mit einem Dummy! Es ist uns gelungen, ihn wieder an Bord zu holen! Die Bedingungen dafür waren aber auch perfekt.

Sonntag, 1. Mai

Auch heute wieder schönstes Wetter, sogar wärmer als gestern, aber immer noch etwas wenig Wind. Wir haben Mitsegler vom See- und Segelsportverein Rostock an Bord: Trainer und Jugendliche. Das ist ein Ergebnis unserer Kooperation mit dem Rostocker Regatta Verein.

Heute haben wir eine Menge Tuch gesetzt: Die Gaffelsegel, alle drei Rahsegel, alle vier Vorsegel inkl. Stagfock und das Großstengestag-Segel. Die Gelegenheit bekommt man auch nicht alle Tage. Eine Wende wurde ebenfalls wieder geprobt.

Großes Thema war heute die Brandbekämpfung: Wir erhielten wir eine Einweisung in die Brandbekämpfung von einem Mitglied einer Berufsfeuerwehr - höchst interessant. Michael opferte sich als Model für den Hitzeschutzanzug und den Pressluftatmer. Ganz schön schwer, das Gerät! Später testeten wir sowohl die Lenzpumpen als auch die Notpumpe für Löscharbeiten. Hat alles prima geklappt und wir sind jetzt wieder fit in der Brandbekämpfung. Viel wichtiger ist aber noch die Brandvermeidung - hoffen wir, dass wir die Löschmittel nie brauchen werden!

Abgerundet wurde das Kapitel durch eine Begehung des Maschinenraums mit Erläuterungen durch den Chefmaschinisten zur Bedienung der Lenzpumpen und -ventile. War gar nicht so einfach zu verstehen - akustisch.

Schon fast liebgewonnene Gewohnheit ist die Mann-über-Bord-Übung, die wir wieder erfolgreich absolvieren. Etwas exotischer ist das Training mit dem Notruder für den Fall, dass die mechanische Verbindung des Steuerrads zum Ruderblatt unterbrochen wird. Dann müssen Taljen an beiden Seiten des Ruderquadranten angeschlagen werden, die vor allem bei schnellerer Fahrt jeweils von mehreren Personen bedient werden müssen, um die Ruderlage zu ändern.

Samstag, 14. Mai

An den Pfingsttagen herrschten immer mindestens 5 Windstärken. Einige weniger seefeste Crewmitglieder sind dabei sogar seekrank geworden! Samstag konnten wir trotzdem noch gut segeln. Heute hatten wir auch einige Mitsegler, die unsere Trainingseinheiten interessiert verfolgten.

Hauptfokus lag wieder auf dem Setzen und Bergen der Segel und dem Fahren der Wende. Diese Manöver stellen auch hohe Anforderungen an die Koordination der Decksleute durch einen Toppgast. Crew-Mitglieder hatten auf diesen Fahrten die Gelegenheit, sich in dieser Rolle auszuprobieren.

Sonntag 15. Mai

Sonntag gab es auch noch Regen, so dass nur eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten bestanden. Trotzdem wurden grundlegende Segelmanöver, wie das Setzen und Bergen der Segel und eine Wende, geübt.

Der Rest der Ausbildung war heute eher theoretischer Natur: Erst wurde das Vorgehen bei einer Evakuierung des Schiffs durchgesprochen. Dann wurden noch Leckwehrmethoden und -werkzeuge vorgestellt.

So herrschte so starker Nordwestwind, dass das Wenden im Stadhafen vor dem Anlegen sehr schwierig war. Die Maschine wurde sehr stark - fast zu stark - beansprucht. Am Ende gelang das Manöver aber doch.

Pfingstmontag, 16. Mai

Heute blies der Wind noch stärker, in Böen bis Windstärke 8! Es ging hohe See - eine echte Sturmerfahrung für die Crew! Deswegen haben wir uns auch recht früh entschieden, wieder einzulaufen.

Als Lehre aus den gestrigen Problemen beim Anlegen haben wir heute einlaufend angelegt und ungewohnter Weise an Steuerbord festgemacht.

Die verbleibende Zeit am Nachmittag nutzten wir noch einmal, wie schon an den vorherigen Trainingstagen, zu Übungsfahrten im neuen Schlauchboot. Das mussten wir in diesem Winter als Ersatz für das defekte alte anschaffen und es ist doch ganz anders zu fahren!

Fazit

Die Crew hat in diesen fünf Tagen erfolgreich trainiert, der Skipper ist mit der Mannschaft zufrieden und schaut optimistisch auf die neue Saison. Trotz aller Ernsthaftigkeit überwog bei allen Teilnehmern der Spaß am Lernen und am Segeln. Unsere Mitsegler haben Einblicke in die Arbeit der Crew eines Traditionssegler erhalten, die man in dieser Tiefe sonst nur selten bekommt.

Und wir haben mit Erik und Werner zwei neue Toppgasten ausgebildet, die auf den zahlreichen anstehenden Törns Verantwortung für die Decksarbeiten übernehmen können.

 

f t g