Bei der alljährlichen routinemäßigen Überprüfung der Takelage wurde festgestellt, dass das Holz der Großmast-Stenge an einer Stelle reparaturbedürftig geworden war. Die Ausbesserung ist an sich kein Problem, die Jungs in unserer Holzwerkstatt verstehen sich auf solche Arbeiten bestens. Aber in 28 m Höhe lassen sie sich nicht ausführen! Das Teil musste also herunter.

Allerdings befindet sich die Stenge in 20 m Höhe, ist 11 m lang und wiegt ungefähr 200 kg. Keine leichte Aufgabe, vor allem, da uns kein Kran zur Verfügung steht. Mit der richtigen Technik und vielen engagierten Helfern lässt es sich dennoch bewerkstelligen. Und zwar so:


Die Längsstage - sie verbinden die Spitze der Großstenge mit den Toppen von Fock- und Besanmast - werden von der Stenge gelöst und direkt miteinander verbunden. So bleibt die Stabilität der beiden anderen Masten erhalten.
Am Eselshaupt werden zwei Blöcke angeschlagen. Eine Arbeitsleine wird durch ein Auge am unteren Ende der Stenge gelegt und über die Blöcke an Deck geführt. Mit dieser Leine kann die Stenge nun zuerst ganz leicht angehoben werden, damit das Schloss - die Verbindung zum Mast - gelöst werden kann. Die Stenge hängt jetzt komplett in der Arbeitsleine und wird mit dieser schön langsam immer weiter abgesenkt.
Die Arbeitsleine wird an Deck mit sogenannten Luxemburgern bedient, das sind Geräte zum Heben von Lasten mit Muskelkraft. Damit lässt sich selbst die schwere Stenge relativ bequem handhaben. Und zwar, wie Ihr seht, bei jedem Wetter... ;-)
Während die Stenge immer weiter abgesenkt wird, schrauben die Kollegen auf dem Mast Stück für Stück die Fußrasten ab - diese passen nämlich nicht mit durch das Eselshaupt. Am Ende müssen auch die Krone, Pardunen, Knickstage und unsere schicke Wetterfahne abmontiert werden.
Ist die Stenge komplett durch das Eselshaupt gefiert, wird ihr oberes Ende schließlich durch ein weiteres Tau gegen Umkippen gesichert. Nun kann sie auf das Deck heruntergelassen werden.
Es ist vollbracht! Aus unserem Dreimaster ist vorübergehend ein Zweieinhalb-Master geworden - bis zur Montage der reparierten Stenge im Frühjahr. Dann findet die ganze Prozedur in umgekehrter Reihenfolge statt.

Der Skipper dankt allen Helfern dieser Aktion. Besonders verdient gemacht haben sich Werner und Reiner, die bei ungemütlichem Wetter stundenlang oben auf dem Mast gearbeitet haben, sowie Siggi, der die ganze Operation geleitet hat.

Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität - das Wetter war wirklich nicht unser Freund an dem Tag.

f t g